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Aachen (pressrelations) -
Anbauversuche in Deutschland
Gv-Zuckerrüben mit Herbizidresistenz im Test
In den USA beginnt in diesem Jahr der kommerzielle Anbau von Zuckerrüben mit gentechnisch vermittelter Herbizidresistenz. Mit ihnen soll die Bekämpfung von Unkräutern einfacher und effektiver werden. In Europa ist der Anbau dieser Zuckerrüben noch nicht erlaubt. Erst einmal soll in Anbauversuchen überprüft werden, ob sich die Erwartungen in der landwirtschaftlichen Praxis tatsächlich realisieren lassen. Untersucht werden auch mögliche Auswirkungen der neuen Zuckerrüben auf die Umwelt.
Nach der Aussaat entwickeln sich Zuckerrüben sehr langsam. Wildgräser oder Unkräuter sind meist schneller und konkurrieren um Licht, Wasser und Nährstoffe. Ohne deren massive Bekämpfung könnten sich die jungen Zuckerrübenpflänzchen kaum behaupten. Verglichen mit anderen Kulturarten erfordert der Zuckerrübenanbau den intensivsten und häufigsten Einsatz von Unkrautbekämpfungsmitteln.
In der Praxis ist ein dreimaliger Einsatz von Herbiziden üblich, bei dem in der Regel vier bis sieben verschiedene Wirkstoffe eingesetzt werden. Ohne Unkrautmanagement würde der Ertrag im Zuckerrübenanbau um 75 Prozent reduziert.
Für die Landwirte sind Herbizide, Maschineneinsatz und Betriebsmittel ein wichtiger Kostenfaktor. Gerade der Zuckerrübenanbau in Deutschland gerät unter zunehmenden wirtschaftlichen Druck: Nachdem das Ende der EU-Zuckermarktordnung beschlossen ist, müssen sich die heimischen Erzeuger der Weltmarktkonkurrenz mit billigem Rohrzucker stellen. Ein anderes Unkrautbekämpfungskonzept mit weniger Spritzgängen wäre daher wirtschaftlich interessant - und könnte zudem noch die Umwelt entlasten.
Darauf zielt die vom deutschen Züchtungsunternehmen KWS Saat AG entwickelte gentechnisch veränderte Zuckerrübe H7-1. Dabei wurde ein Konzept des US-Agrarkonzerns Monsanto verwendet, das z.B. auch schon bei Sojabohnen angewendet wird: Infolge eines neu eingeführten Gens sind die Zuckerrüben resistent gegen den Wirkstoff Glyphosat, der unter dem Markennamen Roundup als Breitbandherbizid eingesetzt wird. Er wirkt, indem er in allen grünen Pflanzen die Produktion bestimmter Aminosäuren blockiert. Dadurch wachsen die Pflanzen nicht mehr und sterben ab. Nur in den resistenten gv-Pflanzen wird die Wirkung von Glyphosat 'neutralisiert'.
Glyphosat wird als Herbizid schon länger eingesetzt. In Deutschland wurde es 1975 erstmals zugelassen. Es hat ein im Vergleich mit anderen Herbiziden günstiges ökotoxikologisches Profil: Es wird bereits nach 30 bis 40 Tagen im Boden vollständig abgebaut und die 'Nebenwirkungen' auf Vögel, Fisch und andere Boden- oder Gewässerlebewesen sind gering.
Gegenüber herkömmlichen Herbiziden bringt die Unkrautbekämpfung mit Glyphosat vor allem den Landwirten Vorteile: Während derzeit mehrere Herbizidwirkstoffe nötig sind, um verschiedene Unkrautarten zu bekämpfen, reicht dann nur noch ein Wirkstoff. Außerdem sind die Landwirte zeitlich flexibler und können Arbeitskräfte und Maschinen besser disponieren. Eine Erwartung ist auch, dass es künftig einfacher sein wird, das Schadschwellenprinzip anzuwenden, also nur dann zu spritzen, wenn es vom Unkrauftaufkommen her notwendig ist.
Anbauversuche in den USA: Erwartungen bestätigt
Zwar wird die Kombination von herbizidresistenten Zuckerrüben und dem dazu passenden Herbizid nicht dazu führen, dass für die Unkrautbekämpfung nur noch ein Spritzgang notwendig sein wird. Dennoch: Die Erfahrungen aus den USA zeigen, dass mit dem Herbizidresistenz-System im Zuckerrübenanbau die Zahl der Spritzgänge zurückgeht - und damit auch der Einsatz an Treibstoffen.
In den USA wurde die H7-1-Zuckerrübe 2005 für den Anbau zugelassen. Seit 2006 wird auf etwa 1.000 Hektar im US-Bundesstaat Idaho ein Probeanbau durchgeführt. Offenbar haben sich die Erwartungen bestätigt und die Kosten für die Unkrautbekämpfung im Zuckerrübenanbau sind deutlich gesunken. Eine Studie hat eine Kostenersparnis von 100 Dollar je Hektar ermittelt.
Es zeigte sich auch, dass vermehrt Mulchsaaten und minimierte Bodenbearbeitung angewandt werden. Bisher waren solche pfluglosen, bodenschonenden Bearbeitungssysteme wegen der dann besonders schwierigen Unkrautbekämpfung im Zuckerrübenanbau kaum möglich.
EU: Testanbau in Deutschland und Spanien geplant
Ab 2008 ist der kommerzielle Anbau der H7-1 Zuckerrüben in den USA und Kanada geplant. In der EU wurde der Antrag zum Anbau zwar schon vor Jahren gestellt, ist aber immer noch weit von einer Entscheidung entfernt. Zugelassen ist jedoch die Einfuhr von Zucker, der ganz oder anteilig aus diesen gv-Rüben stammt. Auch daraus gewonnene Rübenschnitzel, die als Futtermittel verwertet werden, sind in der EU erlaubt.
Ein kommerzieller Anbau in der EU ist frühestens ab 2015 zu erwarten. Zunächst einmal soll in Freilandversuchen untersucht werden, ob das Konzept aus gv-Zuckerüben und dazu passendem Herbizid auch in Mitteleuropa tatsächlich zu einer umweltverträglichen, Ressourcen schonenden Zuckerrübenerzeugung beitragen kann. Dabei muss sich auch erweisen, ob die Landwirte damit Kosten senken und so ihre Konkurrenzfähigkeit auf dem Zuckerweltmarkt verbessern können.
Systematische Anbauversuche sind an mehreren Standorten in Deutschland und Spanien geplant. Die zuständigen Behörden haben die Versuche genehmigt.
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